Nachruf

„Prinzessin“ Silja Lésny gestorben

Für das Prinzip Hoffnung

Von F.-B. Habel

„Wer will / daß die Welt / so bleibt / wie sie ist / der will nicht / daß sie bleibt“ Dem Vermächtnis von Erich Fried hatte sich Silja Lésny verschrieben. Bis kurz vor ihrem Tod war sie mit ihren Leseprogrammen in Berlin, Wittenberge, Frankfurt (Oder) oder auch im Friedrich Wolf Haus in Lehnitz aufgetreten.

Silja Lesny - EKW Silja Lesny - Der kleine Muck,  DEFA

Ihr war es ein Bedürfnis, seine Erfahrungen besonders an junge Menschen weiterzugeben. Die junge Schauspielerin war von ihm aufgenommen worden, als sie im Sommer 1953 vor der unruhigen Lage aus Berlin nach London floh. Zu dieser Zeit hatte sie bei der DEFA als Prinzessin Amarza in dem Märchenfilm „Die Geschichte vom kleinen Muck“ vor der Kamera gestanden, einer Rolle, die Wolfgang Staudte für sie in den Film hineingeschrieben hatte, und die sie Zeit ihres Lebens begleiten sollte. Amarza bedeutete das Prinzip Hoffnung in einer von Gier bestimmten Welt.

Gustaf Gründgens holte Silja Lésny Mitte der fünfziger Jahre in ihre Heimatstadt Hamburg an sein Schauspielhaus. Bis Mitte der sechziger Jahre spielte sie etliche Rollen bei Bühne, Film und Fernsehen, aber die Angebote waren nicht üppig. Die Tochter eines Indonesiers wirkte für das deutsche Durchschnittspublikum zu fremd. Schon in der Schule hatte sie Hänseleien ertragen müssen, weil sie anders als andere schien. Dadurch wurden ihre Sinne für die Ungerechtigkeiten der Welt geschärft. Für zwei Jahrzehnte stieg Silja Lésny aus dem Beruf aus, bereiste die Türkei und beteiligte sich hier an Ausgrabungen.

In den achtziger Jahren gestaltete sie gemeinsam mit Erich Fried literarische Programme, erweiterte ihr Spektrum mit Texten von Stefan Heym oder Christa Kożik und wurde eine gefragte Märchenerzählerin für Kinder und Erwachsene. Als sie vor zehn Jahren München verließ, weil die Lebenshaltungskosten hier zu hoch waren, wurde sie Berlinerin und spielte an kleinen Bühnen, wie dem Jüdischen Theater und dem Zimmertheater Karlshorst. Ihre letzte Rolle gab Silja Lésny im vergangenen Jahr als altgewordener Stummfilmstar Asta Nielsen im Pankower Theater Varia Vineta.

Auch, wenn sie nun vor einigen Tagen 86jährig verstorben ist, hat sie sich doch als Prinzessin Amarza für Generationen unsterblich gemacht.


Liebe EKW-Mitglieder und Freunde,

wie uns eben mitgeteilt wurde, ist unsere verehrte Silja Lesny, Schauspielerin, Gründungsmitglied und 2. Vizepräsidentin der EKW am 2. August 2010 im Alter von 86 Jahren in Berlin gestorben.

Geboren 1923 in Hamburg wurde Silja Lesny berühmt für ihre Darstellung der exotischen Prinzessin Amarza im DEFA-Kultfilm "Der kleine Muck" (1955). Sie war Schauspielerin unter Gustav Gründgens, Jürgen Fehling, Wolfgang Staudte und anderen großen Regisseuren. Große Verdienste erwarb sie in ihrer engen Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Erich Fried, dessen Werk sie seit vielen Jahren als Rezitatorin betreute. Beliebt war sie besonders auch als hervorragende Märchenerzählerin bei der Jugend. Wir werden ihre kauzig-herzliche Art vermissen und ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Silja Lesny (1923 - 2010)

Spendenanfrage

Da Silja Lesny über keine finanziellen Mittel am Ende ihres Lebens mehr verfügte, wollen wir ihr dennoch ein würdiges Begräbnis ermöglichen. Dazu benötigen wir noch etwas Geld (Bedarf ca. 2000,- Euro) um dieses zu finanzieren.

Wer sich daran mit einer Spende beteiligen möchte, der teile mir dies bitte baldmöglichst mit bzw. überweise seinen Spendenbetrag auf das Vereinskonto der EKW (EKW e.V. / Deutsche Bank / BLZ: 100 700 24 / Konto: 434 14 34 / Zweck: Begräbnis Lesny)

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag des Präsidiums

Heiko C. Reissig
Präsident