Festival der Heiteren Muse

Im Gespräch mit der Operettenlegende Johannes Heesters

Interview mit Johannes Heesters :: Johannes Heesters, Simone Rethel und Heiko Reissig in der Pause (Elblandfestspiele 2007)

Wie kamen Sie zur Operette?

Ich war als junger Schauspieler am „Burgtheater“ der Niederlande, an der Stadsschouwburg in Amsterdam engagiert. 1923 suchte der Regisseur für Strindbergs „Traumspiel“ einen Schauspieler, der auch singen konnte. Da sagten die Kollegen: „Nehmen Sie doch den Heesters, der plärrt immer in seiner Garderobe. Ich bekam die Rolle, hatte damit einen schönen Erfolg und ab da begann meine musikalische Karriere. Ich habe dann schon in Holland fast alle berühmten Operetten gesungen.

Wann kamen Sie nach Deutschland?

1934 trat ich dann zum ersten mal in Österreich auf und zwar an der Wiener Volksoper als „Bettelstudent. Zwei Jahre danach kam eine Anfrage aus Berlin für den gleichnamigen Film.

Welche Operette ist Ihre Lieblingsoperette?

Da gibt es einige: Polenblut, Zarewitsch, der Orlow

Welche Künstler der Operette schätzen Sie am meisten und mit wem haben Sie gern zusammengearbeitet?

Ich habe immer gern mit professionellen Kollegen gearbeitet, die auch wie ich die Arbeit ernst nehmen. Operette muss leicht aussehen, es ist jedoch ein schweres Metier.

Hat die Operette heute noch eine Zukunft?

Natürlich! Man sagt immer: die Operette ist tot - sie ist es nicht! Die Bücher der Operette sind oft sehr gut, man muss sie aber auch spielen können. Wenn die Operette auch schauspielerisch gut gebracht wird, nicht nur musikalisch, dann lebt die Operette!

Was empfehlen Sie jungen Nachwuchskünstlern, die heute Operette singen wollen?

Junge Nachwuchskünstler sollten nicht nur Gesang sondern auch die Schauspielerei studieren. Denn bei der Operette ist das Spiel genauso wichtig wie die Musik. Disziplin ist wichtig und man sollte immer weiter lernen. Auf keinen Fall darf man sich auf seinem Erfolg ausruhen.

Wie haben Sie sich vor einer großen Rolle vorbereitet?

Wie bei jeder anderen Arbeit auch: üben, üben, üben!

Hatten Sie einen ständigen Korrepetitor?

Nein, verschiedene, immer da wo ich gearbeitet habe. In Wien war es 1934 ein Herr Schmidt, der mit mir auch Deutsch gelernt hat.

Wie haben Sie Ihre Rollen gelernt?

Wie jeder andere Schauspieler auch. Sehr fleissig: lesen und lernen...

Haben Sie für uns eine lustige Anekdote, die Sie selbst erlebt haben zum Thema Operette?

Ach Gott, es ist soviel passiert, aber das schönste war in "Hochzeitsnacht im Paradies". Da gibt es eine Schwipsszene, in der der Bräutigam mit dem Portier vom Hotel in der Hochzeitsnacht einen Schnaps nach dem anderen trinkt. Der Bräutigam bildet sich nämlich ein, seine Frau hätte ihn schon betrogen, usw. Eines Abends hatten die Kollegen die Schnapsflasche statt mit  Wasser mit Genever gefüllt. Nun muss man wissen, die Szene dauerte sehr lang und im Laufe der Szene musste die ganze Flasche gelehrt werden. Danach hatte ich das schwere Lied "Ein Glück das man sich so verlieben kann" zu singen. Erstaunlicherweise hatte ich, obwohl völlig betrunken, nach dieser Szene soviel Erfolg, dass ich das Lied dreimal wiederholen musste.

Interview mit Johannes Heesters :: Bambi-Verleihung an Johannes Heesters - in der Rolle Kaiser Franz Josef (Hamburg 2008)

Welche Operetten sollte man heute unbedingt wieder auf die Theaterspielpläne nehmen?

„Die Bajadère" von Kalmán z. B., die war lange Zeit vergessen. Ich habe sie noch in Holland und Belgien gespielt, oder auch „Polenblut“.

Welche bekannten Operetten gibt es in Holland?

Die meisten kommen ja aus Österreich, Frankreich oder Deutschland. Diese wurden früher auch in Holland gespielt.

Wie halten Sie sich geistig und körperlich fit?

Ich versuche, weiter zu arbeiten, das hält den Körper und den Kopf frisch und ich treibe Sport. Zweimal die Woche Krafttraining mit Gewichten  in einem Sportstudio. Das tut mir gut.

Wie erlebten Sie Ihre Ernennung zum Kammersänger bei den Elblandfestspielen in Wittenberge?

Ich denke sehr gern daran zurück, es war für mich eine große Ehre, denn man wird Kammersänger sonst nur, wenn man lange Jahre an einem Haus gearbeitet hat. In Österreich werde ich so angesprochen, bin es jedoch nicht in dem Land. Hier in Deutschland bin ich Kammersänger, werde aber so nicht angesprochen. Das ist lustig!

Was wünschen Sie sich zu Ihrem 106. Geburtstag?

Dass ich noch schöne Rollen bekomme. Es wird schwerer, weil ich nichts mehr sehen kann, aber ich gebe nicht auf.

Haben sich in Ihrem Leben alle Ihre Wünsche und Träume erfüllt?

Ja, das kann man wirklich sagen und ich lebe noch und hoffentlich noch ein bisschen weiter!

 

Liebe Grüße aus Starnberg an Heiko von Jopie und Simone
Herzlichen Dank für die Unterstützung: Management Thorsten Groneberg